Wir haben es wieder in Vorarlberg versucht, das dritte und um es gleich vorweg zu sagen jetzt definitiv auch das letzte Mal und zwar in Haller’s «Genusshotel», die Anführungszeichen sind bewusst gesetzt. Die Lage ist sehr schön, inmitten der Allgäuer Alpen auf 1200 m in Mittelberg, etwas abseits der Durchgangsstrasse. |Schon das Ankommen in diesem Hotel ist speziell, kein Schild, wo man mit dem Auto hinfahren kann zum Gepäckausladen, wahrscheinlich, weil es auch gar keinen Platz dafür gibt. Man fährt vor den Eingang, sofern man den beim ersten Mal gleich findet, und muss dann rückwärts wieder in den Parkplatzbereich fahren und hoffen, dass da noch einer frei ist, wir hatten Glück und ergatterten gerade noch den letzten. Wer hier auf Hilfe beim Gepäck hofft, ist definitiv am falschen Ort, das mach’ mal lieber alles selber. Begrüssungsdrink nach einer mehrstündigen Autofahrt und einem Zimmerpreis von 410 Euro/Nacht, hä, was ist das denn? Doch nicht hier bei Hallers! Nun, selbst ist der Gast mit dem Gepäck, aber immerhin wird man auf’s Zimmer gebracht. Wir hatten eine Juniorsuite gebucht und als preisneutrales Upgrade eine Landhaussuite erhalten, aber mit nur einem Waschbecken!, dafür waren aber die Matratzen wirklich super bequem und das Zimmer sehr sauber, wie alles im gesamten Hotel.|Die «Nachmittagsjause» besteht aus in Weckgläsern abgefüllten Gemüsegerichten und Schweizer Wurstsalat, okay, wer nichts gegen unappetitliches Schwitzwasser in den Weckgläsern hat… Aber auf jeden Fall man kann sich hier auch gleich auf die Küche im «Geniesserhotel» einstellen, nämlich auf die Stilrichtung «fad, fader, am fadesten».|Wir haben uns nach unserer ersten Jause dann auf das Abendessen gefreut und wollten wie immer vorher einen Cocktail nehmen, aber bitte, doch nicht hier! Die Bar hat erst ab 20:30 Uhr geöffnet!, aber nur, wenn der Ober, der uns vorher im Restaurant bedient hatte, rechtzeitig den Switch zum Barmann schafft. Noch nie gesehen in dieser Preisklasse, abgesehen davon, dass die Bar den Charme einer Aprés-Skibar der späten 1970er hat, Bänke, Säulentische, nichts mit sich bequem in einen Sessel zu fläzen, ein Negroni für 13 Euro und vielleicht 8cl, auf Knabbereien wartet man vergebens, das ist eben die Art des Hauses. Selbst in Zürich bekommt man mehr für’s Geld.|Nachdem es mit dem Drink vor dem Abendessen nichts war, haben wir zunächst ein vollkommen geschmackloses und businesshotelmässiges Salatbuffet «genossen», mit Ausnahme des Schweizer Wurstsalates war wirklich alles vollkommen fad, fader, am fadesten, danach gab es eine ebensolche Süsskartoffelsuppe, jedenfalls gemäss Karte, sonst hätte es auch jede andere Suppe sein können, danach eine zähe Vorarlberger Wildsau mit Gemüse. Das Käsebuffet war eigentlich nicht schlecht, die «hausgemachten» Chutneys» waren jedoch teilweise von Spar gemacht, man stellt das gleich in der Originalverpackung auch so hin, kann ja jeder sehen. Einziges Highlight beim Abendessen war die Weinkarte, exzellente Auswahl österreichischer Weine zu wirklich fairen Preisen. Die etwas gediegene Garderobe kann man getrost zu Hause lassen, 95% der Gäste sind vom grossen Kanton, entsprechend ist das Ambiente. Aber der Patron läuft ja schliesslich auch nur im Winzerschurz durchs Restaurant, hier bin ich Mensch, hier darf man halt sein…. Im Restaurant ist es zudem sehr laut, man sitzt sehr dicht, Klimaanlage ist Fehlanzeige. |Am nächsten Tag wollte ich dann ein bisschen Workout machen, aber nicht hier bei Hallers. Es gibt nur Cardiogeräte, zwar sehr schöne, leider ohne Fernsehempfang. Kraft- oder Hanteltraining ist nicht, und das im Jahr 2025 bei diesem Zimmerpreis! Okay, dann halt rauf auf den Stepper, Handtücher oder gar Wasserflaschen im Fitnessraum, hä, doch nicht hier! Bring’ das gefälligst selber mit. |Meine Runde im Schwimmbad darauf habe ich ausfallen lassen, nicht wegen der üblichen lieben Kleinen, die von der Treppe ständig ins Wasser gesprungen sind und für die sich auch hier niemand zuständig fühlt, sondern weil ich noch nirgendwo einen solch kalten Pool erlebt habe. Definitiv nichts für Warmduscher wie uns, hier wird gespart an allem. Und an die Damen, zwecks kosmetischer Behandlungen wird man Sie nach ausserhalb des Hauses verweisen. |Im zweiten Abendessen haben wir uns wieder durch Vorarlberger Wälder gegessen, diesmal Hirschrücken, sehr gut, aber nur zwei Minischeiben, wahrscheinlich deshalb sollten die dazugelegten, vollkommen geschmacklosen Endivienblätter die Sättigungsbeilage sein.|Am dritten Abend gab’s Tafelspitz, ebenso fad und minim wie die Gerichte zuvor, der Nachtisch Donauwellen war ein Zumutung, eher waren es die Felsen in der Donau, aber nicht die Wellen, nicht nur wir haben das lieber liegengelassen. Und das Eis ist ein schlechter Ersatz, genauso geschmacklos wie alles andere in diesem Restaurant.|Das Frühstück war gut, zum Omelett sollte man aus o.a. Gründen aber gleich Pfeffer und Salz bestellen. Süsses am Buffet sucht man vergebens, keine kleinen Küchlein, ein fader Nusszopf ist das höchste der Gefühle.|Wir waren froh, dass wir dann nach drei Tagen wieder auschecken konnten, weder gab es einen Fragebogen zur Zufriedenheit noch ein kleines Abschiedspräsent, aber wie schon geschrieben, der Stil des Hauses ist Sparen am Gast. Leider haben wir erst nach unserer Rückkehr in gaultmilleau gelesen, dass unter dem neuen Küchenchef die Gerichte «in ihrem geringen Salzgehalt recht ernährungsbewusst daherkommen». |Ja, genau so schmeckt das auch, nach gar nichts. Vielleicht wäre daher Hallers «Gesundheitshotel» angebrachter? Never ever ein zweites Mal hier!